Die Burg auf Sendung

Wir haben in den letzten Wochen so viel zu tun gehabt, dass ich den Blog nicht aktualisieren konnte. Das wird in der nächsten Tagen nachgeholt. Versprochen …

Gerade haben wir die Nachricht erhalten, dass der Filmbeitrag über die Hausbocksanierung morgen (15.10.2013) um 19.00 Uhr bei Galileo auf Pro7 gesendet wird. Ich bin mal sehr gespannt, was aus den kurzen Takes zusammengeschnitten wurde. Das Thema soll in etwa sein – Mysteriöses passiert auf einer mittelalterlichen Burg – wobei das Mysteriöse sich auf die „Verhüllung“ bezieht. Bleiben wir also neugierig bis das „Geheimnis“ morgen „gelüftet“ wird:-)

In dem Sinne Viel Spaß beim Anschauen …


http://www.prosieben.de/tv/galileo/themen/dienstag-15-oktober-2013

Neue „Visionen“ und viel feuchte Luft

Am Samstag zum „Tag der offenen Burg“ hat Herr Diers von der Firma I.R.T. ein fliegendes Auge aus Frankfurt bestellt, um Luftaufnahmen von der verpackten Burg machen zu lassen. Der mitgebrachte Octocopter mit angebauter Optik startete 2 mal von der Sonnenterrasse und einmal vom Turm.

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Geliefert wurden Videos und Standbilder mit ganz neuen Ansichten der Burg, die wir alle noch nicht kennen … Netterweise hat Herr Krause (Pilot) mir das folgende Bild für den Blog mit freundlicher Genehmigung überlassen:

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Der letzte Heiztakt läuft nun seit Donnerstag mit zusätzlicher Befeuchtung im Rittersaal. Befeuchtungsgeräte werden mit Gas betrieben und leiten den erzeugten Dampf direkt in die Zuluftleitungen ein und stellen eine relative Luftfeuchte von ca. 35 bis 40 % sicher.

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Damit auch alles gut verläuft und an allen Stellen die richtige Wärme entsteht, muss natürlich alle 2 Stunden geprüft werden. Hierzu werden alle Fühler, die im Holz eingebohrt sind auf den Triggern abgelesen – auch in den Nachstunden. Damit man die Wärmeverteilung auch räumlich verfolgen kann, sind alle Fühlerpositionen auf Raumplänen eingetragen.

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Leider hat uns das Wetter jetzt doch einen Streich gespielt. Durch den anhaltenden Regen und die niedrigen Temperaturen fällt die Lufttemperatur der eingeblasenen Warmluft um ca. 15 Grad, d.h. die Heizungen müssen höher gestellt werden und die Heizzeit wird sich verlängern. Trotzdem verläuft alles einigermaßen nach Plan und die Jungs haben schon einen ganzen Teil der Burg wieder von der Folie befreit. Bilder gibt es dann in den nächsten Tagen dazu.

Maximale Verhüllung und der Heiz-Krake

Heute wurde die Burg in den maximalen Verhüllungszustand überführt. Die Jungs haben alles eingekleidet und für den letzten Takt alle Aggregate angeworfen.

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Mir fällt mal wieder auf, daß die Fichte vor dem Gebäude „stört“, obwohl sie ja eigentlich zum „Fichte-Gymnasium“ paßt:-) Eigentlich wollten wir sie neulich fällen, als wir den Schiefer abgenommen haben. Allerdings war der Gerüstbauer sehr erfindungsreich und hat das Gerüst an der Fichte befestigt. Cést la vie …

Mir ist außerdem heute auf den Bilder mal wieder der Heiz-Krake begegnet. Eigentlich hab ich ihn schon öfter während der Maßnahme gesehen, aber er ist mir noch nicht so ins Auge gesprungen. Mir ist er ihm Wehrgang und im Rittersaal „begegnet“ … aber seht selbst:

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… und Außen treibt er auch sein Unwesen …

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… aber wenn man es nicht weiß, sieht es aus wie zwei Heizschläuche.

Jedenfalls seit heute Mittag heizt der letzte Takt. Nach dem „Tag der offenen Burg“ am Samstag (11.00 bis 16.00 Uhr) fangen die Jungs am Montag an wieder alles auszupacken. Eigentlich ein bißchen Schade – es ist schon sensationell was da gerade passiert. Das Wichtigste ist allerdings, daß es bisher erfolgreich war – auch wenn man nach dem Enthüllen nichts mehr sieht … Die Burg sieht aus wie vorher.

Tote Larven und der letzte Takt

Am Samstag war der Gutachter Herr Wießner da und hat die Proben der eingesetzten Larven entnommen. Wie Ihr auf dem Bild sehen könnt sind alle oberen wunderbar geröstet und die unteren beiden freuen sich bester Gesundheit. Bild

Genau so sollte es auch sein – die beiden lebenden Larven waren außerhalb der Maßnahme und wurden nicht mit beheizt. Die oberen 6 Larven wurden in den Probezapfen mit beheizt und sind abgetötet. Das ist die Erfolgskontrolle neben den eingesetzten Fühlern, die der Gutachter benötigt, um den Erfolg der Maßnahme zu bescheinigen. 

Wie man auf dem folgenden Bild sieht hatten die lebenden Larven allerdings ziemlichen Hunger – sie haben mal eben das Holz zerfressen. Und so sah es auch in vielen befallenen Balken der Burg aus …

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Nun mal weg von den Larven … Der letzte Takt ist kurz vor Beginn der Beheizung. Als letztes wird jetzt noch das Treppen-Rondell und der Wehrgang eingepackt, bevor die Heizungen wieder angestellt werden. Die Unterkonstruktion am Rondell ist schon eine besondere Herausforderung für die Jungs von der Firma I.R.T. Seht selbst wie gut sie das meistern …

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Ach ja – so ganz nebenbei haben wir jetzt auch noch einen Wasserschaden in der Küche. Warum auch immer – wir müssen uns auch darum jetzt kümmern.

… von Fernsehprofis und Leihendarstellern

Am Donnerstag war ein „3-köpfiges“ Fernsehteam aus München da, das einen Beitrag für das ProSieben-Magazin Galileo produziert. Das Team bestand aus Regisseur Marc, Kameramann Thomas und Ton-Assistent Jannick. Echt cool die Jungs und super nett.

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Wer die (Fernseh-)Profis sind, ist offensichtlich. Die Akteure vor der Kamera waren natürlich die Jungs von Herrn Diers, der Chef selber und meine Wenigkeit in der Funktion des Architekten. Es war ein langer Drehtag, der erst gegen 18.00 Uhr von allen gemeinsam mit einem eiskalten Radler-Stubbi beendet wurde. Zumindest ich hatte mir das Ganze nicht so anstrengend vorgestellt und muss jetzt mal meinen (nicht vorhandenen) Hut vor der Arbeit so mancher (Leien-)Schauspieler ziehen. Eigentlich hat man alles schon mal gehört, aber die Erfahrung am eigenen Leib ist wie immer viel intensiver und unersetzbar. Wir waren ganz schön geschafft. Immerhin haben wir ca. 1 Stunde in dem noch aufgeheizten Räumen des 3. Taktes gedreht und haben damit locker 2 Saunagänge kompensiert.:-) Irgendwann wird es auch schwerer die Konzentration aufrecht zu erhalten. Am Schluss wurde dann noch „symbolisch“ ein Heizaggregat angeworfen – die Regie hatte das so geplant …

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Alles in Allem war das ein toller Tag, der den Profis hinter der Kamera, wie auch den anderen Profis vor der Kamera Spaß gemacht hat und beidseitiges Lob hervorbrachte. Hier sieht man übrigens, daß sogar der Ton-Assistent geschwitzt hat …

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Alle freuen sich auf den nächsten Drehtag, der wahrscheinlich am 16. Sept. stattfindet, wenn die Folie wieder entfernt wird. Auf jeden Fall werden wir dann mit dem Team grillen und den ein oder anderen Moselwein unseres Hauswinzers Herr Gietzen verkosten.

„collateral damage“ oder unvermeidliche Begleitschäden

Wie von der Firma I.R.T. angekündigt, sind jetzt einige Begleitschäden sichtbar, die durch die Wärmeeinleitung hervorgerufen wurden. Nicht haftende Farben, alte Öllacke und wärmeempfindliche Einrichtungen können nach der Wärmebehandlung Schäden aufweisen. Wir haben zwar im Vorfeld versucht möglichst viele der empfindlichen Sachen aus der Burg herauszuschaffen – einige Dinge haben wir allerdings schlichtweg übersehen oder nicht die Konsequenz bedacht. Es haben sich z.B. an diversen Möbeln die Kantenanleimer gelöst. Bei den Festeinbauten können wir natürlich die Schäden nur beseitigen – ein Schutz war hier nicht möglich. So sind z.B. einige der bemalten Balken im oberen Aufenthaltsraum „geschrumpft“, alte Öl-Anstriche auf der Treppenhausvertäfelung haben Blasen geworfen und die Deckenbeschichtung in den Jungenzimmern und dem goldenen Zimmer sind von der Decke gefallen. Hier wurden alte Leimanstriche nicht fachgerecht mit Dispersionsfarben überdeckt – die Haftung fehlte – und durch die Wärmeeinwirkung haben sich die Schichten voneinander getrennt.

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An den alten Fenstern und Türen sind unter der Hitze teilweise eingeschlossene Harzgallen ausgelaufen. Die Fenster müssen behandelt und neu lackiert werden.

Insgesamt sind wir wahrscheinlich glimpflich davongekommen. Herr Diers hatte nämlich die Befürchtung, daß z.B. die alte Ölmalerei an den Deckenbalkenbekleidung im Aufenthaltsraum Schaden nehmen wird, da der Decklack bereits seit Jahren abplatzt. Hier müssen wir auch in Zukunft mit einem Wachs oder ähnlichem die Malereien „konservieren“.

Eine fachliche Anmerkung an dieser Stelle von meiner Seite:  Die Entscheidung für die kontrollierte Wärmebehandlung war trotz der Begleitschäden auf jeden Fall die Richtige. Andere Methoden sind deutlich aggressiver, bzw. nachhaltig giftig. Die Schäden halten sich auf einem sehr niedrigen Niveau. Allerdings wird es nun wahrscheinlich im Malerbereich doch teurer, zumal die Malerarbeiten nur zu 40 % gefördert werden, auch wenn sie unverzichtbar sind und keine Schönheitsreparaturen darstellen. Für den EFG wird es auf jeden Fall eine Herausforderung sein, die Burg wieder einzurichten und die Reparaturen auszuführen.

aktueller „Verhüllungszustand“

Seit Montag wird der 4. und letzte Takt eingekleidet. Hierzu gehört der Rittersaal, die äußeren Fensterbögen auf dem unteren Burghof, das Fachwerk der Hausmeisterwohnung, das Treppen-Rondell und der Wehrgang. Ursprünglich wollte Herr Diers den Wehrgang und das Rondell in einem eigenen Takt behandeln. Es hat sich jedoch als praktikabel erwiesen den 4. + 5. Takt zu einer Maßnahme zusammenzufassen. Die Heizleistung der 3 Aggregate (gesamt 1.300 kW) ist ebenfalls ausreichend hierfür. Das Gerüst für das Rondell wurde hierzu am Dienstag noch mal erweitert. Aber seht selbst …

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Leider habe ich bei der Gegehung des Gerüstes noch mehr Bockbefall gefunden, der auch in die Statik eingreifen könnte. Betroffen sind eigentlich alle auskragenden Tragbalken des Rodell-Fachwerks.

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Die statische Überprüfung hierzu steht allerdings noch aus. Wollen wir mal das beste hoffen – sonst wird es nämlich sehr teuer.

Wir sollten froh sein, dass die Maßnahmen in diesem Jahr durchgeführt wird! Fünf weitere Jahre hätten eine komplette Generation der Hausbocklarven hervorgebracht, die die Schäden vervielfacht hätte und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit deutliche statische Folgen gehabt hätte.